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Bewegtes Älterwerden im Quartier | Kurzinterview mit Michaela Böhme, Schwäbischer Turnerbund und Vorständin im Landesseniorenrat BW

Michaela Böhme ist Vorstandsmitglied des Landesseniorenrates Baden-Württemberg e.V. und auch die Leiterin des Projekts „GUTES Alter“ beim Schwäbischen Turnerbund (STB) e.V.

 

GUTES Alter“ steht für: Gesundheit erhalten, Unabhängigkeit fördern, Teilhabe stärken, Engagement ermöglichen und Sicherheit bieten – für junge Alte ab 60, Ältere ab 70 und Hochaltrige ab 80 Jahren. Das Projekt bündelt bestehende Maßnahmen, Angebote und Netzwerke des Schwäbischen Turnerbundes und öffnet sich Partnern aus Sozialer Arbeit und Altenhilfe.

 

In einem kurzen Interview hat uns Frau Böhme ein paar Fragen zur Rolle von Turn- und Sportvereinen bei der Etablierung von Bewegungsangeboten für ältere Menschen im Quartier beantwortet.

 

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Frau Böhme, warum sind Turn- und Sportvereine wichtige Akteure im Quartier?

Turn- und Sportvereine sind wichtige Akteure im Quartier, weil sie Menschen aller Altersgruppen Möglichkeiten zu Bewegung und Gesundheitsförderung bieten. Sportvereine werden in der Kommune oft „nur“ über den Wettkampf- und Leistungssport wahrgenommen. Doch sie bieten mit vielfältigen Angeboten aus dem Fitness- und Gesundheitssport viel mehr: Qualifizierte Übungsleitende sorgen dafür, dass Menschen auch im fortgeschrittenen Alter aktiv bleiben, ihre Fitness verbessern und damit Krankheiten vorbeugen und ihre Mobilität bis ins hohe Alter erhalten.

 

Außerdem sind Turn- und Sportvereine Orte der Begegnung und Gemeinschaft. Die „Leidenschaft für Bewegung“ – so der Slogan des Schwäbischen Turnerbundes – führt Menschen zusammen, es entstehen wichtige soziale Netzwerke und nicht selten Freundschaften fürs Leben. Integration, Inklusion, Teilhabe, Partizipation und Engagement sind nicht nur Schlagworte, sondern gelebter Alltag mit und durch Sport und Bewegung.

 

Richten wir unseren Blick auf Bewegungsangebote für ältere Menschen: Welche positiven Auswirkungen hat Sport auf die Gesundheit und Teilhabe Älterer im Quartier?

Bereits Aristoteles wusste: Das Leben besteht in der Bewegung. Regelmäßige Bewegung und Sport fördert zunächst die körperliche Gesundheit, stärkt Muskeln, Gelenke sowie das Herz-Kreislauf-System und hilft dabei, Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Koordination zu erhalten. Ich behaupte sicher nicht, dass Sport ein Allheilmittel ist, aber die Wahrscheinlichkeit, dass zum Beispiel Stürze durch regelmäßiges, altersgerechtes Training vermieden werden, ist hoch und in vielen Studien bestätigt.

 

Bewegung und Training kann aber noch viel mehr: Wenn unsere Muskeln aktiv sind, schicken sie Botenstoffe an unser Gehirn, die unsere Nervenzellen und Synapsen zum Wachsen bringen. Bewegung für Körper UND Geist: Wichtig im Alter, wenn nicht nur die körperlichen, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten abnehmen. Dabei darf der Spaß am Bewegen nicht zu kurz kommen, wenn wir unserem Gehirn etwas Gutes tun möchten. Und zusätzlich sorgen ein paar Hormone auch noch automatisch für Wohlbefinden, Glücksgefühle und Stressabbau. Spaß entsteht am meisten in einer Gruppe unter Gleichgesinnten, im gemeinsamen Sporteln und Spielen, im sozialen Miteinander im Verein.

 

Wir kennen im Sport eine einfache Formel, die besonders in der zweiten Lebenshälfte an Bedeutung gewinnt: USE IT OR LOSE IT – übersetzt: Unser Körper ist eigentlich ein Energiesparmodell. Jeder Muskel und jede Gehirnzelle, die nicht genutzt wird, geht verloren.  Das gilt für unsere körperlichen und geistigen Fähigkeiten genauso wie für unsere sozialen Kontakte, denn auch sie müssen genutzt und gepflegt werden.

 

Was ist bei der Realisierung von solchen Angeboten im Quartier wichtig?

Bei der Realisierung von Bewegungsangeboten für ältere Menschen in Verein und Quartier sind mehrere Aspekte wichtig. Zunächst müssen die Angebote an der Vielfalt des Alters ausgerichtet sein. Die Bedürfnisse und körperlichen Voraussetzungen sind mit 60, 70 oder 80 Jahren sehr unterschiedlich, auch wenn eine Jahreszahl zunächst nichts über den Fitnesszustand aussagt.

 

Um allerdings die nicht sportaffinen Älteren zu erreichen, sollten die Angebote niederschwellig sein. Ein bewährtes Programm ist zum Beispiel „Fünf Esslinger nach Dr. Martin Runge“, das seit 2011 in Kooperation mit dem diakonischen Altenhilfeträger Dienste für Menschen gGmbH dort und im Schwäbischen Turnerbund geschult wird. Das Programm fokussiert sich auf die Schwachstellen, die im Alter entstehen und enthält Übungen, die sehr einfach in den Alltag übertragbar sind. Denn die täglichen „Bewegungssnacks“, also die Regelmäßigkeit macht die Wirkung.

 

Ebenfalls niedrigschwellig sollte der Zugang zu den Angeboten gestaltet sein: Wohnortnah, barrierefrei, keine hohen Kosten oder komplizierte Anmeldungen. Deshalb sind zum Beispiel Quartierstreffpunkte eine gute Möglichkeit, um Menschen persönlich zu erreichen und neben der Begegnung und Teilhabe mit dem sozialen Aspekt dort auch die Bewegung mit dem gesundheitsfördernden Aspekt zu platzieren. Eine Win-Win-Situation für alle!

 

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Wir danken Frau Böhme ganz herzlich für die Beantwortung unserer Fragen!

 

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