Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg
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Wohnen mit Versorgungskonzept – ein Leben lang im Quartier

 

Daheim – ein Leben lang: Selbstbestimmt den Alltag meistern

 
 
Kommune: 70173 Stuttgart und LK Esslingen
 
Einwohnerzahl: 628.032 Einwohner bzw. 528.792 Einwohner
 
Träger/Kooperierende Akteure: 14 Wohnungsunternehmen mit Trägerverein Integrative Wohnformen e.V. in Kooperation mit verschiedenen sozialen Dienstleistern
 
Startjahr: seit 2008
 

Wir leben heute wesentlich länger und können die Zeit im Ruhestand bewusster und eigenverantwortlicher gestalten. Allerdings wohnen heute immer mehr Menschen allein. Um den Alltag daheim zu meistern, ist manchmal Unterstützung nötig. Um hier neue Wege zu öffnen, gründeten die derzeit 14 Wohnungsunternehmen 2008 den Verein Integrative Wohnformen e.V. Die Mitgliedsunternehmen bewirtschaften zusammen einen Wohnungsbestand von rund 30.000 Wohneinheiten in Stuttgart und im Landkreis Esslingen.


Das Ziel ist Menschen mit Hilfebedarf den lebenslangen Verbleib in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Dabei geht es nicht um eine Einheitslösung. Denn Menschen haben unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse. Zudem hat auch jedes Wohnquartier eine eigene gewachsene Struktur.

 

Die Aufgabe des Vereins ist, kleinräumige Quartiersprojekte, insbesondere für ältere und Menschen mit Hilfebedarf zu konzipieren und umzusetzen. Aber auch junge und alte Menschen mit unterschiedlicher Herkunft sowie Familien mit Kindern und Alleinerziehende werden von den Quartiersprojekten angesprochen.

 

Angebote und UmsetzungsschritteDer Verein Integrative Wohnformen nimmt Ideen aus den Wohnquartieren auf, initiiert Projekte und begleitet Initiativen. Für ein selbstbestimmtes Wohnen zu Hause haben sich vier Handlungsfelder bewährt:


1. WohnCafés/Gemeinschaft
Die Grundlage eines hilfreichen Miteinanders und eines lebenswerten Quartiers wird vom gemeinschaftlichen Handeln der Bewohnerinnen und Bewohner bestimmt. Um das zu ermöglichen, wird jedem Quartiersprojekt ein Gemeinschaftsraum für die Bewohnerschaft im Quartier zur Verfügung gestellt. Das WohnCafé ist das Herz des Quartiersprojektes. Jedes WohnCafé ist mit einer Gemeinschaftsküche ausgestattet. Hier kann jeder an Mahlzeiten zu einem geringen Selbstkostenbeitrag teilnehmen. Weiterhin finden unterschiedliche Veranstaltungen statt, wie beispielsweise jahreszeitliche Feste, zu welchen alle im Stadtteile eingeladen werden, Vorträge, Ausstellungen und vieles mehr.


2. Soziales Netzwerk & freiwilliges Engagement
Bei Hilfebedarf einer Bewohnerin bzw. eines Bewohners im Quartier muss am Anfang die Hilfe zur Selbsthilfe stehen. Eine gute Nachbarin bzw. ein guter Nachbar kümmert sich mal um die Wohnung und leert den Briefkasten, wenn man im Urlaub ist, oder nimmt Pakete an. Nachbarschaftliche Netzwerke und freiwilliges Engagement sind für den Betrieb des WohnCafés wichtig. Es sind vorwiegend ehrenamtliche Mitbürgerinnen und Mitbürger, die zum Beispiel für das Zubereiten der Mahlzeiten zuständig sind. Die Koordination und Begleitung der WohnCafés übernehmen die Sozialen Dienste vor Ort.


3. Versorgungssicherheit vor Ort
Ein ambulanter soziale Dienstleister unterhält ein Büro in unmittelbarer Nachbarschaft des WohnCafés. Mitarbeitende des ambulanten Dienstes sind regelmäßig im WohnCafé anzutreffen, sodass wohnortnahe Versorgung und niederschwellige Beratung gewährleistet sind. So entfallen zeitaufwendige und teure Anfahrten, die Pflegekräfte können sich besser auf die individuellen Bedürfnisse einstellen.


4. Wohnen & Wohnumfeld
Damit Menschen mit körperlichen Einschränkungen ihren Alltag zuhause möglichst eigenständig meistern können, muss die eigene Wohnung entsprechende Voraussetzungen bieten. Dazu gehört zum Beispiel der barrierefreie Zugang zu Gebäude und Wohnung. Verschiedene niederschwellige Wohnraumanpassungen und bauliche Maßnahmen unterstützen die Selbstständigkeit der Mieterinnen und Mieter.

 

Ergebnisse und Auswirkungen

Zahlreiche Anfragen von älteren Menschen und Menschen mit Behinderung sowie Angehörigen lassen einen starken Bedarf an Quartiers- und Versorgungsprojekte erkennen. Menschen mit ganz unterschiedlichem Hilfebedarf ziehen gezielt in ein Quartiersprojekt, um trotz Assistenzbedarfs selbstbestimmt in einer eigenen Mietwohnung zu leben. Durch die Förderung des sozialen Miteinanders und des sozialen Netzwerkes werden der Vereinsamungs- und Verwahrlosungstendenzen entgegengewirkt. Die Besuchendenzahl in den WohnCafés steigt stetig und immer mehr Menschen wollen ehrenamtlich in den WohnCafés mitarbeiten (derzeit rund 140 ehrenamtlich Unterstützende und Helfende in den 13 Quartiersprojekten der Wohnungsunternehmen).

 

Finanzierung

Die Investitionen für Umbau, Implementierung und Ausstattung der Nachbarschaftstreffs/WohnCafés werden von den Wohnungsunternehmen selbst übernommen. Die WohnCafés werden kostenfrei den sozialen Kooperationspartnern als Betreiber zur Verfügung gestellt. Personalkosten für das Quartiersmanagement werden vom Kooperationspartner übernommen bzw. teilweise über eine befristete Projektförderung finanziert.

 

Besondere Rahmenbedingungen vor OrtIn der Regel habe mehrere Mitgliedsunternehmen einen Wohnungsbestand in den jeweiligen Quartieren so dass Netzwerke entstehen und mehr Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier angesprochen werden können. Dabei geht es nicht um eine Einheitslösung. Jedes Wohnquartier hat eine eigene, gewachsene Struktur. Somit wird das Angebot den Bedürfnissen und Erwartungen der Bewohnerschaft und den bereits vorhanden Strukturen im Quartier angepasst.

 

InfomaterialInfoblattÜbersicht QuartiersprojekteBeispiel WohnCafé BirkenhofBeispiel WohnCafé GiebelBeispiel WohnCafé Zollberg

 
Kontakt
Dagmar Lust
 
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