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Praxisbeispiel

Demenz im Quartier: Gemeinde Inzigkofen
Kommune: Inzigkofen
Träger / Kooperierende Akteure:
Gemeinde Inzigkofen mit der Seniorenbeauftragten Heidi Rzepka in Kooperation mit der katholischen und evangelischen Kirche, dem Bildungswerk Inzigkofen, dem Arbeitskreis für christliche Erwachsenenbildung Sigmaringen, Kindergärten, Schule, Pflegestützpunkt, Musikvereine, Gemeinderat, sozialcaritative Fördervereine, Beirat des BürgerTreffs, ehrenamtlich Engagierte, Nachbarschaftshilfeverein, Filmliga, Sportvereine, Volkshochschule, VDK
Bevölkerung: 2.001 - 5.000
Kontakt: Heidi Rzepka (Seniorenbeauftragte, Gemeinde Inzigkofen)
Tel.: 07571 9297750
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 Beschreibung

Die Gemeinde Inzigkofen besteht aus den Teilorten Paul, Vilsingen mit Dietfurt und Engelswies. Die große Flächengemeinde ist geprägt vom eigenen, selbstbewussten Dorfleben der drei Ortsteile und einem hohen Bürgerengagement in ca. 50 Vereinen, in Kirchen, Kultur, organisierter Nachbarschaftshilfe und drei Altenwerken. Der Rückgang ehrenamtlich Tätiger und der Wandel traditioneller Vereine ist jedoch deutlich feststellbar. Es ist ein erheblicher Verlust an Infrastruktureinrichtungen in den vergangenen Jahren zu verzeichnen. Neubürgerinnen und Neubürger kommen hinzu und Bezüge zu Ort, Kultur und Sozialem gehen zurück. Bemerkenswert ist, dass 24% der über 70-jährigen keine Angehörigen in der Region haben und 15% ihre Angehörigen schon Zuhause betreuen/ pflegen (Umfrage 2016).

 

Berichte der ambulanten Pflege Inzigkofen zeigen, dass die Zahl der an Demenz erkrankten Mitbürgerinnen und Mitbürger deutlich wächst und die häusliche Situation zunehmend mit dem Thema Demenz an sich sowie den Versorgungs- und Betreuungsproblemen überfordert ist. Die ländliche Lebensstruktur mit kaum Infrastruktur und Begegnungsmöglichkeiten fördert den Rückzug Betroffener in die eigene Häuslichkeit und ein „Verdecken“ von schwierigen Lebenssituationen. Der Projektplan ist daher als nachhaltige Konzeption zu verstehen, die auf Bürgererfahrungen und -mitgestaltung, Information/ Transparenz, Angeboten für Demenz und Entlastungen sowie Aktiv-Kooperationen gründet.

 

Es gab bisher den Nachbarschaftshilfeverein „Hilfe von Haus zu Haus“, der allgemeine Unterstützung, Entlastung und Hilfe für Seniorinnen und Senioren, Kranke, Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderung, pflegende Angehörige, Alleinerziehende und Familien bietet. Außerdem wird zweimal in der Woche ein offener Mittagstisch für Seniorinnen und Senioren angeboten. Spezielle Angebote für Menschen mit Demenz gab es darüber hinaus nicht, auch nicht für pflegende Angehörige. Das Thema Demenz war vor Projektbeginn noch weitgehend ein Tabuthema und hatte einen sehr niederen Stellenwert. Es gab die Demenz, aber es wurde nicht darüber gesprochen. Sofern Menschen in Vereine involviert waren, wurden sie da auch weiterhin herzlich aufgenommen, allerdings zogen sich dann viele Menschen mit fortschreitender Erkrankung in die häusliche Isolation zurück. Angehörige sprechen nicht gerne darüber und verheimlichen und vertuschen die Erkrankung solange bis es nicht mehr zu verbergen ist.

 

Umsetzungsschritte im Projekt waren:

  • Veröffentlichung und Vorstellung des Projekts im Bürgerblatt der Gemeinde Inzigkofen (coronabedingt keine Auftaktveranstaltung möglich)
  • Erstellung eines Projektplans „Demenz in der Gemeinde Inzigkofen mit dem Ziel der Sensibilierung für Demenz: Über Demenz und den Umgang mit dieser informiert sein; Bürgerinnen und Bürger tauschen sich aus, bringen Erfahrungen ein und unterstützen; vertraute Kommunikationswege, Begegnungen und Orte anbieten mit Angeboten; tagesentlastende Angebote, Demenztruhe, Selbsthilfegruppe einrichten; neue Netzwerke und Begleit- und Versorgungskette installieren
  • Suche von Kooperationspartnern: Gemeinderat, Kirchen, Schulen, Kindergärten, Vereine, Einbeziehung der sozialcaritativen Fördervereine
  • Treffen mit dem Beirat des BürgerTreffs (zwölf Ehrenamtliche aus allen Teilorten), Vorstellung des Projekts/ Diskussion/ Projektgestaltung
  • Pressemitteilungen
  • Da keine Präsenzveranstaltungen möglich waren, wurden schriftliche Informationen über die örtlichen Zeitungen gestreut und eine Informationsreihe zum Thema gestartet, die wöchentlich im Bürgerblatt abgedruckt war, es wurden Flyer mit Informationen an alle Haushalte mit Rückantwortkarten verteilt und mit Plakaten allerorts und auch in privaten Fahrzeugen mobil auf das Thema Demenz aufmerksam gemacht
  • Als dann persönliche Begegnungen wieder möglich waren, wurden mit Ehrenamtlichen aus der Pflege mehrere Informationsnachmittage in allen Teilorten veranstaltet, welche auch regen Zuspruch fanden, allerdings meist von Personen aus umliegenden Gemeinden, da immer noch die Anonymität gewahrt werden wollte
  • Gesprächscafé, in dem pflegende Angehörige Fragen stellen und sich gegenseitig austauschen konnten
  • Beteiligung der Kirchen in Form eines inklusiven Gottesdienstes für Menschen mit/ ohne Demenz mit einer Bildausstellung zum Thema Lebensspuren 
  • Veranstaltung zum Thema „Validation“, ein Theater „Dementieren zwecklos“, eine Konzertlesung mit Sarah Straub und eine szenische Lesung „Akte Auguste D.“ gemeinsam mit dem Bildungswerk Inzigkofen und dem Arbeitskreis für christliche Erwachsenenbildung Sigmaringen
  • Kabarettistischer Abend mit Andreas Kenner
  • Vorstellung des Pflegestützpunktes des Landkreises Sigmaringen im BürgerTreff
  • Online-Demenzpartnerschulung
  • Spielenachmittage für Menschen mit/ ohne Demenz mit Spielen, die auch für Menschen mit Demenz geeignet sind, sowie Büchern und Beschäftigungsmaterialien
  • Kooperation mit Musikvereinen
  • Demenzregal mit Büchern, Informationsmaterialien, DVDs und CDs zum Ausleihen
  • Garten für alle Sinne mit Hochbeet, Pflanzen, Sitzgelegenheiten, Wasserspiel, Strandkorb, Klangobjekten, Windrad...
  • Filmnachmittage, Tanznachmittag, Kino
  • Kindernachmittag mit Grundschulkindern zum Thema Demenz

Weitere Informationen

 

Diese Aktivitäten der Gemeinde Inzigkofen wurden im Rahmen des Projekts Demenz im Quartier“ der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg durchgeführt, in dem fünf Modell-Quartiere bis Ende 2022 Maßnahmen und Angebote entwickelt und erprobt haben, die Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen.