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Modellprojekt „Demenz im Quartier“ | Kurzinterview mit der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg

Im Rahmen des Projekts „Demenz im Quartier“ erproben die fünf Modell-Quartiere Inzigkofen, Walldorf, Offenburg-Bohlsbach, Heilbronn-Böckingen und Ulm-Alter Eselsberg von Anfang 2020 bis Ende 2022 Maßnahmen und Angebote, die Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen und neue Möglichkeiten der Teilhabe schaffen. Das Ziel in allen Quartieren ist es, nicht nur die aktiven und informierten Bürgerinnen und Bürger in die Entwicklung einzubinden, sondern breit für das Thema Demenz zu sensibilisieren, um gerade diejenigen zu erreichen, die bislang wenig oder gar keine Berührung mit dem Thema hatten.

 

Das Projekt „Demenz im Quartier“ der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V., gefördert vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg, unterstützt die Quartiere mit Fördergeldern, Beratung und Begleitung über die gesamte dreijährige Projektlaufzeit hinweg. In einem kurzen Interview hat uns Frau Saskia Gladis von der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg vom Projekt berichtet.

 

  1. Frau Gladis, wie können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen konkret vor Ort unterstützt werden und welche Hürden gilt es dabei zu meistern? 

    Neben bedarfsgerechten Unterstützungs- und Versorgungsangeboten sind es vor allem solche Angebote, die es Menschen mit Demenz ermöglichen, ganz selbstverständlich an der Gemeinschaft teilzuhaben und zu tun, was ihnen guttut: Ein Tanzcafé, der Stadtspaziergang, der gemeinsame Nachmittag mit Grundschulkindern im idyllischen Schulgarten. Dazu können alle Menschen, denen sie begegnen, einen wichtigen Beitrag leisten: Indem sie sich offen und wertschätzend zuwenden, einen Moment länger Zeit haben, durch einen Anruf an einen Termin erinnern, Begleitung anbieten.

    Die größte Hürde ist sicher immer noch die Tabuisierung des Themas. In den Quartieren ist es gelungen, viele neu für das Thema und ein Engagement zu gewinnen – zentral dabei ist eine feste und engagierte Ansprechperson, die aufmerksam macht und an die man sich wenden kann. Wenn diese Öffnung gelingt, ist für Menschen mit Demenz noch vieles möglich.

  2. Welche Fortschritte haben die fünf Modell-Quartiere auf ihrem Weg hin zu einer demenzaktiven Kommune gemacht? 

    Natürlich sind viele verschiedene Angebote entstanden: Demenz-Cafés, Theater- und Filmabende, Gottesdienste, Kochkurse, Sinnesgärten, Angebote für bestimmte Zielgruppen wie Angehörige oder auch Kinder und Jugendliche. Aus meiner Sicht besonders ist jedoch die intensive, facettenreiche Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz – nicht nur in Beiräten, Steuerungsgruppen oder Projektteams, sondern dank groß angelegter und innovativer Öffentlichkeits- und Sensibilisierungsarbeit vor allem bei nicht professionellen Akteuren und innerhalb der breiten Bevölkerung. Heute wird in allen fünf Quartieren mehr über das Thema gesprochen, Anfragen in den Beratungsstellen haben zugenommen und das Netzwerk derer, die sich aktiv einbringen, ist größer geworden. Eine Koordinatorin hat es so formuliert: „Das Miteinander im Ort ist gewachsen.“

  3. Welche Erfahrungswerte konnten während der Projektlaufzeit gesammelt werden? 

    Hier gäbe es vieles zu nennen, vier Punkte sind mir aber besonders wichtig:

    • Die Entwicklung zu demenzaktiven Quartieren braucht Zeit, Durchhaltevermögen und kreative, zuverlässige Koordinatorinnen und Koordinatoren sowie Macherinnen und Macher vor Ort.
    • Vernetzung liefert neue Impulse und bindet Unterstützerinnen und Unterstützer.
    • Eine sorgfältige Analyse der Gegebenheiten vor Ort – was ist möglich, was vielleicht (noch) nicht? –  erhöht die Erfolgsaussichten.
    • Die Auseinandersetzung mit dem Thema, gerade auch im Rahmen von Beteiligungsprozessen, kann bunt sein und Spaß machen.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass vieles, das in den letzten anderthalb Jahren angestoßen, entwickelt und realisiert wurde, zu einer Veränderung in den Köpfen führen wird oder bereits geführt hat – und sich in den Projektquartieren etablieren wird.

 

          

 

Mehr Informationen zum Projekt „Demenz im Quartier“ sowie zu den Modell-Quartieren finden Sie hier.

 

Ein weiteres Aufklärungsangebot der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. ist zudem die „Impulskampagne Demenz“ mit dem dazugehörigen Online-Portal „KompassDemenz Baden-Württemberg“.

 

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